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Die goldene Insel

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Wo einst der Adel tanzte

1200 Inseln und eine fast 6000 Kilometer lange Küste. Dazu Charme, Nostalgie und günstige Preise: Kroatien - ein Urlaubsziel ohne Firlefanz.

Der Kirchturm

Mittelpunkt vieler kroatischen Städtchen

Die Namen, zugegeben, sind erst mal unaussprechlich: Vrbnik, Crikvenica, Krk. Dafür aber gefallen die Orte und Inseln Kroatiens auf Anhieb. Das Rezept für schöne Dörfer ist von Istrien bis Dalmatien immer dasselbe: Ziegelsteinrote Dächer, enge, vor Hunderten von Jahren gepflasterte Gassen, und mitten raus ragt verlässlich der spitze Kirchturm. Trockenmauern begrenzen Gärtchen mit Blumen und Gemüse, die so tipptopp sind, dass selbst deutschen Schrebergärtnern das Herz aufgeht. Nicht selten umschließt eine alte Stadtmauer mit Zinnen obendrauf die Ortschaft. Davor wiegt sich stets blaues Meer.

Kroatien, das sind 1200 Inseln, 5870 Kilometer Küstenlinie, fruchtbares Hinterland und ein reiches kulturelles Erbe. Italiener, Ungarn und vor allen voran die Österreicher hinterließen über die Jahrhunderte ihre Spuren. Die Geländer vieler Hotelbalkone sind noch heute geschwungen wie zu Sissis Zeiten - der einstige Wiener Star-Architekt Carl Seidl lässt grüßen.

Tatsächlich dinierte Kaiser Franz Joseph I. mehr als einmal auf der Terrasse des berühmten Hotel Kvarner in Opatija. Der Luftkurort bei Rijeka war bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Nizza und Monaco der Jahrhundertwende. Kaiser, Könige, Adel und Nobelpreisträger tanzten mit ihren gepuderten Damen im Ballsaal unter dem 1,5 Tonnen schweren Kronleuchter. Im Kroatienkrieg, 1991 bis 1994, dienten die edlen Villen dann Flüchtlingen als Unterkünfte.

Salz auf der Haut

und in Ruhe genießen

Die Gäste von heute, meist gesitteten Alters, kommen zum Kuren und Baden aus Österreich, Deutschland und Italien. Tagesausflügler gehen im angrenzenden Učka-Gebirge wandern und sind mit dem Mountainbike unterwegs. Der Großteil der rund zehn Millionen Kroatien-Urlauber allerdings schwärmt aus. Ins ganze Land. Platz ist genug da. Auch zum Träumen.

Auf der Insel Krk, im Örtchen Baška, beispielsweise. Eine Mutter ruft nach ihrem Kind, das im glasklaren Wasser spielt - und nicht raus will. In der Bucht ankert eine weiße Luxusyacht mit allerlei drehenden Radaranlagen obendrauf. Von einer Plattform im Wasser springen Jungs kreischend ins Wasser. Voraus ragt ein Berg aus dem Blau, so kahl und zerfurcht, dass der Fels auch im ägyptischen Sinai stehen könnte. Sonst ist ringsum alles grün. Von einem Lokal auf der kleinen Promenade zieht der Geruch von Pizza herüber. Zwei Grazien sonnen sich derweil oben ohne auf einem ins Meer hineinragenden Betonsteg. Das Kind kommt immer noch nicht.

Vielleicht hat es keine Lust auf die vielen Steine, die den Gang aus dem Wasser zu einem Balanceakt machen. Mit besten Haltungsnoten jedenfalls kommt in der Kvarner Buch keiner über den Kiesstrand bis zur Promenade - was dem Spaß keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

Konoba

- Kellerlokale mit viel Atmosphäre

So ein Steinstrand - in Optaija und Vrbnik ist er gar aus Beton - unterbindet viel Störendes. So gibt es etwa keine Volleyball spielenden Muskelmänner in zu kurzen Hosen, die sich nach dem Ball werfen. Allein der Gedanke daran ist schmerzhaft. Auch keine lauten Strandbuden sind in Sicht, an denen Menschen mit viel zu großen Sonnbrillen überteuerte Cocktails trinken und zu Housemusik tanzen.
Am Strand von Baška sind - wie fast überall i9n der Kvarner Bucht - andere Feriensportarten angesagt: Eisessen beispielsweise. Und anderen beim Eisessen zuschauen. Natürlich auch Baden, Unbeteiligte nass spritzen, Tretboot fahren, sich in der Sonne aalen - nach Oleander, Lavendel und Rosmarin riechenden - Wind über die Haut streichen lassen. Ein Vater zeigt seiner Tochter, wie die Bäume der Strandpromenade als Klettergerüst taugen. Die Mama schläft und träumt - zum Glück.

Kroatien, das heißt: Urlaub ohne Firlefanz. Dino Matešič würde das so freilich nicht sagen - auch wenn der 38-jährige um diese Qualität weiß. Der Manager der Touristinformation Rijeka erzählt lieber, dass gerade mit Millionen von der Weltbank ein Luxusyachthafen in der viertgrößten Stadt des Landes entsteht. Oder er sagt, dass Kroatien "unheimlich viel bietet".
Und zwar viel, was es anderswo nicht mehr gibt: eine eigene Währung zum Beispiel. Mit dem Umtausch von Euro in Kuna, Verhältnis eins zu sieben, beginnt Tag eins in Kroatien mit dem fast in Vergessenheit geratenen Devisentausch - einst das Symbol dafür, dass jetzt endlich der lang ersehnte Urlaub losgeht. Auch sonst liegt ein Hauch touristischer Nostalgie wohltuend über dem ganzen Land.

Der Großteil der Unterkünfte ist in privater Hand, das Getue um Restaurants und Michelin-Sterne "gibt es bis jetzt nur in Zagreb und vielleicht noch Split", so Fremdenführerin Jasmina Miškulin. Es geht ruhig zu. Kein Massentourismus wie in Rimini oder auf Mallorca. Dementsprechend auch keine Wasser- oder Müllprobleme.

Die Fischplatte

in vielen Lokalen frisch auf den Tisch.

Nostalgisch, also noch nicht auf EU-Niveau, sind auch die Preise: So können Liebhaber guter Küche in einer Konoba, zu Deutsch Kellerlokal, davon ausgehen für rund 18 Euro den Gaumen gekitzelt zu bekommen - inklusive Vorspeise, Hauptgang und einem Getränk. Dabei präsentiert sich die kroatische Küche als Mix aus österreichischen Teig- und Schnitzelspezialitäten, mediterraner Frische, Fisch und Pasta sowie scharf Gegrilltem nach Balkanart in vielen Variationen. Unbedingt versuchen sollte man "einen in der Glut geschmorten Lammbraten, Trüffelkäse und Pršut-Schinken", rät Jasmina. Doch auch die heimischen Nudeln, Šurlice, mit Scampi- oder Gulaschsoße seien "ein Stück echtes Kroatien."

Benjamin Schnitzer aus flyjournal Ausgabe 3/2009 von Tuifly